Dem Badenr isch nix heiligr als d Heimad. Au wenns Berlin isch.
Baden-Württemberger in Berlin. Die SchwaDen Metropole.

Menschen aus Baden-Württemberg genießen einen guten Ruf im Rest der Republik. Heimatverbunden, weltoffen, fleißig und kreativ, ausgeglichen und Freunde fürs Leben, wenn sie erst mal aufgetaut sind. Und die deutsche Hauptstadt hat Tradition für Baden-Württemberger.

Dem Badenr isch nix heiligr als d Heimad. Au wenns Berlin isch.

Inoffiziellen Zahlen zufolge leben fast 300.000 Baden-Württemberger in Berlin, bei den eingesessenen Berlinern üblicherweise unter dem Begriff des Schwaben subsummiert. Das mag für Badener wenig erquicklich sein, ist aber darin zu verorten, dass einfach viele Dinge mit Schwaben assoziiert werden. Spätzle, Weckle, oder eben s´heilig Blechle (Mercedes…). Das ist für den Berliner Schwaben. Aber auch den Badenern muss Gerechtigkeit widerfahren, sind diese doch bekannt für ihre vorzüglichen Weine, für die ebenso lieblichen wie wilden Landschaften des Schwarzwaldes und die Kuckucksuhr (letzteres wohl eher international).

Genau 7.639 Baden-Württemberger haben im Jahr 2017 ihren Wohnsitz offiziell in Berlin gemeldet.

Auf die Bevölkerung des Bundeslandes bezogen machen die Fortzüge nach Berlin etwa 0,07 Prozent aus. Ein Exodus aus Baden-Württemberg nach Berlin ist das zwar nicht, aber immerhin bilden die Badener und die Schwaben damit die drittgrößte Zuwanderergruppe unter den Bundesländern. 4.980 Menschen sind in der Gegenrichtung aus Berlin nach Baden-Württemberg gezogen, das Saldo beträgt also 2.659 im Haben, wobei es wohl weder hin noch zurück ausschließlich um Süd-West-Compatrioten gehandelt haben wird, sondern um Menschen, die zuvor in BW gemeldet waren und ihren Hauptwohnsitz nach Berlin verlegt haben, oder umgekehrt.

Oh, moi Prenzlberg! Das war mal...

Lange Zeit war der Ortsteil Prenzlauer-Berg die Domäne und der Sehnsuchts-Ort schlechthin für Menschen aus Deutschlands Südwesten. Allen voran die besonders beliebten Wohnlagen rund um den Bötzow- und Kollwitz-Kiez, den Arnimplatz, am alten Schlachthof und ganz besonders am Helmholtzplatz. Auch heute noch rangiert Prenzlauer-Berg an Platz 3. Je stärker ein Bezirk ausentwickelt ist, desto weniger interessant wird er augenscheinlich für die als sparsam rechnend geltenden Käufer aus Baden-Württemberg; Luxuskäufe sind eher selten.

Die Tops

So sind die Top 5 der SchwaDen Bezirke (Schwaben und Baden, könnte man das so sagen?) in 2017 jene Ortsteile, die bis vor kurzem noch ein Underdog-Image innehatten. In Summe führen Neukölln mit 719 Zuzügen, gefolgt von Wedding (582 Zuzüge), Prenzlauer Berg (521), Friedrichshain (507) und Lichtenberg mit 479 Anmeldungen. Die Reihenfolge ist wenig überraschend, denn Neu-Berliner aus dem Ländle hatten schon immer eine Affinität für Lagen mit Entwicklungspotenzial. Es ist keine steile These zu behaupten, dass Schwaben (bitte verzeihen Sie uns, wenn wir hier auch zusammenfassen) einen wichtigen Beitrag leisten, die Berliner Bezirke etwas sauberer und adretter zu machen. Was vielen Berlinern an Gemeinsinn abgeht, ist bei Baden-Württembergern gewissermaßen genetisch verankert. Mülltrennung, saubere Häuser und Rücksicht, sind für Baden-Württemberger keine Fremdwörter.

Schon Neukölln ist mit mehr als 300.000 Einwohnern etwa so groß wie eine normale Großstadt in Baden-Württemberg, Stuttgart mit etwa 630.000 Einwohnern ausgenommen. Karlsruhe, Mannheim und Freiburg hingegen rangieren genau in diesem Bereich. Auch in diesen Städten gibt es Stadtteile, Quartiere, Kieze und Präferenzen.

Um herauszufinden, wo unsere SchwaDen-Communities sich bevorzugt bewegen, müssen wir genauer hinschauen. Denn je kleinteiliger wir die Zuzüge betrachten, desto differenzierter wird auch der Blick auf das Zuzugsverhalten. Wenn wir in die Quartiersebene hineinzoomen zeigt sich, dass obwohl Gesamt-Neukölln zahlenmäßig die Tabelle anführt, die meisten Zuzüge in 2017 auf Quartiersebene in drei Friedrichshainer Kieze hinein stattfanden: Traveplatz, Samariterviertel und Boxhagener Platz mit 110, 98 und 95 Zuzügen aus Baden-Württemberg.

Von hinten aufgerollt, stellen wir fest, dass Baden-Württemberger am wenigsten Affinität für Weißensee, Hellersdorf, Tiergarten, Tegel besitzen. Das liegt vor allem daran, dass überwiegend junge Leute nach Berlin kommen, meist Studenten, die nah am Zentrum, der Universität und dem Nachtleben sein möchten.

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Aa wenn i 's ned zuagib: Berlin is gamsig! Bayern in Berlin.

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