97 % Wachtsum durch Zuwanderung
Betrachtung der Berliner Wanderungszahlen 2016

Lichtenberg hält mit Wanderungsüberschuss von ca. 7650 Einwohnern die Spitze. Im hippen Neukölln wird negativer Saldo von -880 Einwohnern registriert.

Die meisten Zuzüge aus dem Ausland

Um ca. 60.000 Einwohner ist Berlin 2016 im Saldo gewachsen. Insgesamt zog es im Erhebungszeitraum über 216.000 Neu-Berliner in die Hauptstadt. Etwa zwei Drittel von ihnen kamen aus dem Ausland zu uns. Neben dem andauernden Zuzug von Menschen aus europäischen Ländern wird die Migrationswelle noch immer von Schutzsuchenden aus Syrien und Afghanistan dominiert. Hinzu kommt ein Nachholeffekt bei der Registrierung von Flüchtlingen noch aus dem Jahr 2015. Zahlreiche Forschungsinstitute prognostizieren für die nächsten Jahre einen weiter anhaltenden Anstieg der Bevölkerung, basierend auf Zuwanderungen aus dem Ausland.

Die untenstehende Abbildung zeigt die Top 7 der Herkunftsländer 2016. Unter ihnen befinden sich auf dem 5. Platz die Vereinigten Staaten. Die meisten Amerikaner zog es in den Kreuzberger Chamissokiez, gefolgt vom Quartier um den Mehringplatz. Auch die Lagen rund um den Oberhofer Platz in Lichterfelde und das Heine-Viertel-Ost in Mitte waren 2016 bei US-Amerikanern besonders beliebt.

Bevölkerungswachstum in Berlin wird zu 97 Prozent von Zuzügen getragen.

Nur drei Prozent des Bevölkerungswachstums in Berlin kommen aus der Stadt selbst, also durch natürliche Bevölkerungsbewegungen wie Geburten und Sterbefälle. Von den übrigen 97 Prozent kamen 2016 rund 21 Prozent aus innerdeutschen Regionen, wobei mehr Menschen aus den neuen und alten Bundesländern nach Berlin zogen, als Berliner dorthin fortzogen.

Anders verhält es sich mit Austauschbeziehungen zum Berliner Umland. Etwa 8.200 Einwohner verlor Berlin im Saldo an Brandenburger Regionen. Die meisten ehemaligen Bewohner Berlins, die sich 2016 für einen Wohnort im Umland entschieden, wohnten zuvor in Pankow.
Am stärksten wuchsen Mitte (+8.171 Einwohner), Lichtenberg (+7.979 Einwohner) und Pankow (+7.434 Einwohner).

Ausreißer war 2016 überraschenderweise der Trendbezirk Neukölln, der sich mit einem Minus von 881 Einwohnern den ansonsten durchgehend positiven Wachstumszahlen entgegensetzte.

Die Wanderungssalden der vergangenen fünf Jahre sind in der folgenden Graphik abgebildet:

Demographischer Wandel und (Flüchtlings-)Zustrom führen zu Bedarfsveränderung bei Wohnungen

In Deutschland und Berlin sind die Auswirkungen des demographischen Wandels seit Jahren spürbar: Lebenserwartung und Durchschnittsalter steigen stetig, während die deutsche Geburtenrate sinkt und sich europaweit auf dem niedrigsten Niveau bewegt.

Die Zu- und Abwanderungen beeinflussen signifikant die soziodemographische Entwicklung in Berlin.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen warnt in einer Studie vom September 2016 vor der Verschiebung der Wohnungsbedarfe, die aus der Unterbringung von Flüchtlingen resultiert. Der Studie zufolge muss bedacht werden, dass viele der zugewanderten Flüchtlinge in den 2020er Jahren wieder in ihre Heimatländer zurückkehren könnten. Vorrausschauender Wohnungsbau müsse daher den Wohnungsbedarf stärker auf den „altersgerechten Umbau“ und auf die aktuelle Integration von Flüchtlingen abstimmen.

In Berlin bestehen momentan zwei Strategien für das Thema Wohnen und Flüchtlinge. Zum einen die Neuerrichtung von „modularen Unterkünften für Flüchtlinge“ kurz „MUFs“, zum anderen die Tempohomes. Unter letzteren werden Wohncontainer für eine kurzfristige Unterbringung der Flüchtlinge verstanden.

MUFs und Tempohomes unterscheiden sich hinsichtlich Material und Nutzungsdauer. Während MUFs für den längerfristigen Bedarf geplant sind und für mögliche anderweitige Nutzungen wie Studentenwohnheimen oder „im geschützten Wohnsegment“ dienen können, sind Tempohomes (meist in Containerdörfern) nur für eine Nutzung von etwa drei Jahren vorgesehen. Für sie gilt das Sonderbaurecht für Flüchtlingswohnen.

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