Trendanalyse
Kreuzberg vs. Friedrichshain. Entwicklung nach der Wende

Kreuzberg vs. Friedrichshain. Was geschah nach der Wende? Ein Vergleich von zwei Bezirken vor und nach der Zwangsehe.

Friedrichshain-Kreuzberg. Ein kleiner Abriss über zwei ungleiche Partner

Kreuzberg und Friedrichshain: Beide Bezirksteile bieten ein großes Identifikationspotenzial für ihre Bevölkerung. Sowohl Kreuzberg als auch Friedrichshain sind international sehr beliebt, beide führen die Szene-Hotspots der Hauptstadt an und beide pulsieren mit hohem Herzschlag, Tag und Nacht.
Wir untersuchen hier kurz, was mit den Ortsteilen zwischen Mauerfall und vor der Bezirksreform im Jahr 2001 geschah. Als Kreuzberg und Friedrichshain zusammengelegt wurden, war auch dort die innere Einheit zwischen Ost und West auf dem Stadtplan näher gerückt. Trotzdem entwickelten sich die Ortsteile sehr unterschiedlich.

Bevölkerung

Friedrichshain-Kreuzberg als Bezirk zählt, Stand 31.12.2015, 278.393 Bewohner. Davon waren zum Stichtag 152.364 in Kreuzberg gemeldet und 126.029 in Friedrichshain. Interessant ist, dass Kreuzberg Ende 2015 nicht mehr, sondern etwa 3.700 Einwohner weniger zählte als 1991, also zwei Jahre nach dem Mauerfall. Damals betrug die Einwohnerzahl 156.066. Friedrichshain gewann im selben Zeitraum etwa 20.000 neue Bewohner hinzu.

Dass beide Bezirke derzeit, wie Berlin insgesamt, eine Welle an Zuzügen erleben, ist kein Geheimnis. Dass das nicht immer so war, zeigen die Zahlen. Im Gegenteil, verloren beide Berliner Bezirke vor allem im Post-Mauer-Jahrzehnt viele Einwohner. Im Austausch untereinander, aber auch an andere Bezirke oder in der Außenwanderung.

Insgesamt verlief die Schrumpfung für beide Bezirke über Jahre hinweg fast dramatisch. Kreuzberg verlor in den Jahren zwischen 1991 und 2000 etwa 23.000 Einwohner und Friedrichshain etwa 13.000.

Bereits Beginn der 90er Jahre setzte in beiden Bezirken die Abwanderungstendenz ein, von der sich Friedrichshain früher und rascher erholte, während das Saldo in Kreuzberg noch über Jahre hinweg neutral blieb. Erst ab 2010 begann die Zahl der Kreuzberger wieder zu wachsen. Im gegenseitigen Wechsel verlor Kreuzberg zwischen 1991 und 2000 etwa 4.900 Bewohner an Friedrichshain und umgekehrt, zogen 3.863 Friedrichshainer nach Kreuzberg. Das Chart unten zeigt den Bevölkerungsaustausch zwischen Kreuzberg und Friedrichshain.

Wo sind sie geblieben…?

Besonders viele Kreuzberger zog es in der Zeit von 1991 bis 2000 aus dem Bezirk hinaus. Im Binnensaldo, also bei Wanderungen innerhalb Berlins, verlor der Bezirk 23.081 Bewohner. Die Hintergründe waren vielfältiger Natur. Bis 1989 war Kreuzberg ein gefangener Bezirk. Die Mauer verlief überwiegend nördlich der Oranienstraße, über etwa 2 Kilometer in und an der Spree entlang um dann am Landwehrkanal Richtung Süden nach Neukölln und Treptow abzubiegen.
Auch wenn das im geteilten Berlin nichts Besonderes war, hatten Kreuzberger wenig Möglichkeiten, ihren Lebensradius zu erweitern. Der Bezirk war zu Mauerzeiten ein Kerngebiet der links-alternativen Szene in Berlin. Nach dem Fall der Mauer setzten in der Szene Abwanderungstendenzen in den Bezirk Prenzlauer Berg, der die Kreuzberger Szene assimilierte. Insgesamt zogen jedoch die meisten Kreuzberger nach Neukölln, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

Quellen

  • Amt für Statistik (eigene Darstellung) (2016): Bevölkerungsdaten, Berlin: Amt für Statistik
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