Mieten in Berlin steigen langsamer: Sinkende Nebenkosten fangen den Anstieg der Nettokaltmieten auf. Mieter zahlen weniger Bruttomiete als vor einem Jahr.

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt überwiegt der Nebenkostenvorteil klar den Anstieg der Mieten. Unter dem Strich sparen Berliner Mieter derzeit Geld.

Während sich die Nettokaltmieten im März nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten, sanken die Nebenkosten erneut um 4,0 Prozent gegenüber März 2015. Das teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit. Bereinigt sanken die Wohnungsmieten einschließlich Nebenkosten dadurch um 0,3 Prozent.

Schon seit über einem Jahr gehen die Nebenkosten in Berlin deutlich zurück, zunächst unter anderem wegen einer erzwungenen Senkung der Wasserkosten, später wegen gesunkener Energiepreise auf dem Weltmarkt. Dass die Bruttomieten aber insgesamt sinken, ist neu. Allerdings scheint sich die Preisentwicklung jetzt zu beruhigen. Während die Nettokaltmieten nicht mehr so stark steigen, ist auch der Rückgang bei den Nebenkosten wohl auch an sein Ende gelangt, wie aus den Zahlen hervorgeht. Gegenüber dem Vormonat wurde Heizöl beispielsweise schon wieder um 11 Prozent teurer, insgesamt war bei den Nebenkosten keine Veränderung mehr messbar, die Nettomieten stiegen gegenüber Februar um 0,1 Prozent.

Beim Miet-Kauf-Vergleich hält das Kölner Institut für Wirtschaft (IW) gemessen an der Kaufkraft, den Mieten, Kaufpreisen und Finanzierungskosten einen Immobilienkauf in Berlin mittlerweile für überdurchschnittlich lukrativ. Das geht aus einer Ende März veröffentlichten Studie des Instituts hervor. Denn trotz sinkender Bruttomieten wurden die Mieten in Berlin in den letzten Jahren relativ gesehen immer teurer.

Ausgehend vom auf 100 Prozent gesetzten Durchschnittswert für ganz Deutschland im Jahr 2010, mussten Berliner damals schon 133,3 Prozent für Nettokaltmieten im Verhältnis zur Kaufkraft ausgeben, also etwa ein Drittel mehr als der Durchschnittsdeutsche. Während dieser Wert bundesweit im Jahr 2015 auf 97,3 Prozent gesunken ist, ist er in der Hauptstadt auf 138,7 Prozent gestiegen.

Anders sieht es laut der Studie hingegen bei der Erschwinglichkeit des Wohneigentums aus. Hier sanken die Selbstnutzerkosten im Verhältnis zur Kaufkraft in Berlin von 2010 bis 2015 von 112,9 auf 91,0 Prozent. Insbesondere angesichts niedriger Finanzierungskosten sei Kaufen in Berlin mittlerweile deutlich günstiger als Mieten, so das IW. Davon profitierten auch in Berlin aber hauptsächlich Menschen mit hohen Ersparnissen. Um eine Wohnung zu kaufen, sei oft Eigenkapital von 50.000 Euro oder mehr nötig, bevor Banken einen Kredit zusagen, so das Institut.

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