Vom Wohnen im Berliner Plattenbau

Viele Kieze im Osten Berlins sind durch Plattenbauten geprägt. Auch wenn sie meistens mit dem Osten Berlins assoziiert werden, so finden sich auch im Westen der Stadt Plattenbauviertel, so wie das Märkische Viertel oder Gropiusstadt.

Seit den ersten Plattenbauten in Berlin-Lichtenberg, die in den Jahren 1926 bis 1930 errichtet unter dem Namen „Splanemann-Siedlung“ errichtet wurden, hat sich so manches geändert: Größe, Dämmung und Komfort wurden den gestiegenen Bedürfnissen der Bewohner angepasst, das Prinzip der Platten-Bauweise, die auch als Tafelbauweise bezeichnet wird, hat sich bis heute erhalten. Um die Bauwerke der Splanemann-Siedlung zu erstellen, wurden die Platten damals vor Ort gegossen und mit Hilfe eines Kranes zusammengesetzt. Charakteristisches Merkmal der Plattenbauten ist neben der Art des Zusammenbaus auch die Konstruktionsgrundlage. In Abgrenzung zur Skelettbausweise, bei der das Stahlskelett die Stabilität des Gebäudes gewährleistet, dienen bei den Plattenbauten die Decken-und Wandplatten dazu, das Gebäude stabil zu halten, ersetzen also das Skelett.

Wohnen in der Platte

Welche Eigenschaften zeichnen nun das Wohnen in „der Platte“ aus. Zu DDR-Zeiten galten die Plattenbauten als modern und das Wohnen darin als besonders erstrebenswert. Viele Attribute des großstädtischen Wohnens waren in den Neubauten verwirklicht, was die Nachfrage nach derlei Wohnungen ansteigen ließ.

Heute ist die Beliebtheit der Plattenbauten etwas zurückgegangen. Grund dafür ist wohl das eher schlechte Image, das den Großsiedlungen bildenden Platten anhaftet. Seit „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, weiß man, zumindest, wenn man im Westen aufgewachsen ist, um die sozialen Probleme in den von wirtschaftlich schwachen Bürgern bewohnten Hochhaussiedlungen. Im Osten herrschte dagegen schon immer eine heterogene Bewohnerschaft vor. Hier wohnte der Schlosser neben dem Hochschulprofessor, was sich in vielen Plattenbauvierteln im Osten so erhalten hat.

Ist man vorurteilsfrei in einen solchen Plattenbau gezogen, so kann man schon bald die Vorteile des Wohnens in der Platte genießen. Ein solch bemerkenswerter Vorteil der Platte, der gerade diesem Winter, der nicht enden will, besonders hervortritt, ist der der Wärmeinsel. Wohnt man in einem der modernisierten Bauten, so ist es, dank der Wärmedämmung, möglich, mit wenig Energieverbrauch in einer warmen Wohnung zu leben. Der Verfasser hat in den vier Jahren, die er im Plattenbau wohnt, noch nicht einmal den Thermostat aufgedreht. Die Wärme, die der Bau dank der vielen Mieter speichert und, durch die gute Dämmung bedingt, nicht heraus lässt, schont Geldbeutel und Umwelt.

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