Mikroanalyse Immobilienmarkt Berlin
Bezirksreport Lichtenberg

Lichtenberg, lange Zeit vom Außenseiterimage geprägt, erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Der Stadtteil charakterisiert sich durch weit mehr als nur durch Großwohngebiete in Plattenbauweise. Dies haben nicht nur die Berliner erkannt. Seit 2010 steigt die Bevölkerungszahl nach Jahren der Abwanderung in dem östlich von Friedrichshain gelegenen Bezirk wieder deutlich an.

Lichtenberg besteht aus insgesamt 10 Ortsteilen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Alte Dorfkerne mit schönen, berlintypischen Altbauquartieren wechseln sich ab mit zu DDR-Zeiten entstandenen Plattenbau-Quartieren. Beide Wohnformen finden in Lichtenberg problemlos Mieter.

Lagen mit saniertem Altbaubestand ziehen besonders in der Frankfurter Allee Nord, der Victoriastadt und dem Kaskelkiez das Szenepublikum an. Hervorzuheben ist im Rummelsburger Zentrum das etablierte Künstlerviertel. Dem Ortsteil verleihen zahlreiche Galerien, Ateliers, Cafés sowie das Musiktheater „canteatro“ einen besonderen Charme. Die Superlative des Bezirks findet sich auch in Rummelsburg, in der Victoriastadt, wieder: Zwischen 1872 und 1875 entstand hier die erste aus Beton errichtete Wohnsiedlung der Welt.

Folgen wir den Wegen der architektonischen Avantgarde weiter, so begegnen uns in den 1920er Jahren namenhafte Architekten, die Lichtenberg experimentierfreudig für das „Neue Bauen“ nutzten. Oft im öffentlichen Bewusstsein als ein bedeutsames architektonisches Zeugnis übergangen, sollten die Pionierleistungen des „Neuen Bauens“ in Lichtenberg unerwähnt bleiben: der Sonnenhof von Erwin Gutkind, die Reformschule des Architekten Max Taut oder die Waldsiedlung Lichtenberg von Peter Behrens manifestierten sich in der modernen Architektur.

Im Ortsteil Fennpfuhl, genauer in der Erich-Kuttner-Straße, wurde erstmals 1962 der Serienbau P2 als Versuchsbau für die DDR errichtet. Seit den 1980er steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. Der Versuchsbau stand hinter dem Konzept des „Variablen Wohnens“, mit dem jedem Wohnungsnutzer die Umsetzung individueller Vorstellungen ermöglicht werden sollte. Dies entsprach weder den finanziellen Möglichkeiten, noch den ideologisch-planerischen Vorstellungen des DDR-Staates. In der Folge wurde die P2-Serie kostensparender und vereinfachter gebaut.

Heute wird die Vielfalt der DDR-Plattenbautypen mit den zugehörigen Freiflächen für Berliner und Neu-Berliner immer beliebter. Nach Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten sind attraktive Wohnquartiere mit einer funktionierenden Infrastruktur und grünen Freiflächen entstanden.

Lichtenberg ist durch die günstige Verkehrsanbindung, die es den Bewohnern ermöglicht in kurzer Zeit andere Stadtbezirke zu erreichen, und einem Mix aus Großstadtflair und ländlicher Idylle, auch bei jungen Familien besonders beliebt.

64,76
%
Anteil der Bevölkerung zwischen 18 und 65
14,32
%
Internationalität (2016)
283.121
Einwohnerzahl (2016)
36,5
Wohnfläche je Einwohner
8,00
%
Arbeitslosenquote (09/16)
+7.647
Wanderungssaldo (2016)

Evolutionsstufe des Wohnungsmarktes in Lichenberg

Abbildung oben: Die Evolutionsstufe des Wohnungsmarktes in Lichtenberg. Das Chart zeigt die Veränderungen im Preisgefüge des Bezirkes anhand von drei Preissegmenten. Wieviele Wohnungen wurden in den unterschiedlichen Preissegmenten angeboten? Die Linie zeigt die Entwicklung des durchschnittlichen Angebotspreises über alle Wohnungstypen und Preissegmente für Bestandswohnungen.

Immobilienpreise Lichtenberg

Auf dem Wohnungsmarkt in Lichtenberg herrscht Bewegung. In diversen, sehr schönen Neubauprojekten, wurden 2016 fast 280 Wohnungen angeboten. Interessant ist, dass Lichtenberg offensichtlich insbesondere für das Segment von Mikroapartments eine gute Lage ist. Diese Art von Großprojekt profitiert mehrfach von Lichtenberg: Flächen stehen auch für größere Projekte zur Verfügung, der Bezirk ist gut erreichbar und die Nachfrage ist nachhaltig und gut. Investoren können auf solide Renditen hoffen, denn Lichtenberg bietet aufgrund seiner Lage und Struktur ein hervorragendes Vermietungspotenzial.
Bei Bestandswohnungen lag die Preissteigerung im Jahr 2016 mit 21 Prozent deutlich über den Vorjahren. Die durchschnittliche Wohnungsgröße betrug etwa 80m².

Vom Industriebezirk zum Wirtschaftsstandort Lichtenberg

Vom Dorf zum Industriebezirk zum attraktiven Wirtschaftsstandort für Dienstleistungs- und Technologieunternehmen. Die mehr als 700-jährige Geschichte Lichtenbergs ist vielfältig. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf Lichtenberg 1288. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb die dörfliche Struktur erhalten. Danach begann die industrielle Erfolgsgeschichte, denn wichtige Erfindungen finden ihren Ursprung in Lichtenberg: 1891 erfand Hugo Hartung die Klinke mit Vierkant. 1896 wurde durch Paul Schmidt die erste Trockenbatterie und die erste DAIMON-Taschenlampe entwickelt und 1900 gab es dank Willy Abel den ersten Briefmarken-Automaten. Der Eisen- und Stahlkonstruktionsfirma „David Hirsch“, gegründet in 1900, verdanken heutige bedeutsame Berliner Gebäude ihre Kuppeln und Türme. Darunter befinden sich der Berliner Dom, die Nikolaikirche, das KaDeWe sowie die Kugel des Fernsehturms.

Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich die Wirtschaft rasant. Den Erfolg Lichtenbergs als bedeutender Industriestandort verdeutlichen die Zahlen: Mehr als 1.200 Betriebe waren Mitte der 1920er Jahre in Lichtenberg ansässig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionen im Jahr 1952 fortgesetzt, auch der industrielle Erfolg wurde in den volkseignen Betrieben der DDR wieder aufgenommen. Nach der Wende kam es zu Umstrukturierungen und zu einer Transformation der Gewerbestruktur. An den einstigen VEB Elektrokohle Betrieb, der während der DDR-Zeit eine erfolgreiche Stellung einnahm, erinnert im heutigen Dong Xuan Center kaum etwas. In dem Zentrum für vietnamesischen Warenhandel geht es lebhaft zu. Ob Asien-Fans, die vietnamesische Gemeinde oder Touristen: wer sich wie in einer Markthalle in Hanoi fühlen möchte, kommt hierher.

Ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist Lichtenberg heute für kleine und mittelständige Unternehmen der verschiedensten Branchen aus Handel, Handwerk und Dienstleistung. Auch große Unternehmen wie IKEA, das seine deutschlandweit größte Filiale in der Landsberger Allee eröffnete, entscheiden sich für Lagen in Lichtenberg.

Industrie- und Technologieunternehmen der Metallverarbeitung, des Werkzeugs- und Fahrzeugbaus sowie der Elektrotechnik diversifizieren die Gewerbestruktur und bieten zahlreiche Arbeitsplätze.

Dass sich die Lage des Lichtenberger Arbeitsmarktes verbessert hat, zeigt auch die historisch niedrige Arbeitslosenquote von 8 Prozent (Stand: September 2016). Diese hat sich um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verringert. Auch die Jugendarbeitslosenquote reduzierte sich um 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 7,7 Prozent.

Leben in Lichtenberg

Heute leben etwa 283.100 Menschen in Lichtenberg. So viele Einwohner gab es hier bisher noch nie. Lichtenberg wächst und wächst. Zwischen 2011 und 2016 ist Lichtenbergs Bevölkerung knapp 27.000 Einwohner reicher geworden. Ein Zuwachs von etwa 9,5 Prozent innerhalb von nur fünf Jahren spricht für die Beliebtheit des Bezirkes. Allein zwischen 2015 und 2016 ist der Bezirk um rund 8.000 Einwohner gewachsen. Ein Wachstum, das im hohen Maß von Zuwanderungen geprägt ist.

Die anteilig größte Altersgruppe umfasst die Gruppe der 27- bis 45-Jährigen, darunter viele Familien mit Kindern. Sie zieht es überwiegend in die Quartiere Karlshorst, Alt-Hohenschönhausen und Friedrichsfelde. Studenten orientieren sich vor allem nach Alt-Lichtenberg und Neu-Hohenschönhausen, was dazu führt, dass auch Plattenbauten als Wohnraum wieder in der Nachfrage steigen und ein Imagewandel stattfindet. Erschwingliche Preise in sanierten Plattenbauten und die Nähe zu hippen Quartieren Friedrichshain sind für viele junge Berliner ein wesentliches Argument für Lichtenberg.

Wer in Lichtenberg lebt, profitiert sowohl von der verkehrsgünstigen Anbindung und den hippen Kiezlagen als auch von Ruhe und Entspannung in Parkanlagen und umliegenden Naturschutzgebieten. Der größte Landschaftstiergarten Europas mit einer Fläche von 160 Hektar erstreckt sich rund um das Schloss Friedrichsfelde. Der Tierpark Friedrichsfelde ist neben dem Zoologischen Garten der zweite Zoo Berlins und beheimatet 6.500 exotische Tiere aus aller Welt.

Erholsam ist auch ein Spaziergang entlang des Spreeufers an der Rummelsburger Bucht. Bis zum südlichen Karlshorst sind zahlreiche Gärten, Seen und Parks zu entdecken. Im Sommer laden Biergärten und Strandbars in Lichtenberg zum Verweilen ein.

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