Mikroanalyse Immobilienmarkt Berlin
Bezirksreport Tempelhof

Tempelhof galt bis vor kurzem als nicht wirklich hipper Stadtteil. Etwas verschlafen, so war das Image der Quartiere in Tempelhof. Der Bezirk, der sich südlich von Kreuzberg bis an die Stadtgrenze zieht, grenzt westlich an Schöneberg und Steglitz sowie östlich an Neukölln. Bei jungen Familien war Tempelhof schon immer eine bevorzugte Lage. Derzeit werden Immobilien in Tempelhof geradezu gehypt. Sympathische Reihenhäuser aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, ruhige und grüne Straßenzüge und wenig Verkehr charakterisieren die gutbürgerlichen Lagen westlich des Tempelhofer Damms. Die Preisentwicklung blieb auch in sehr hübschen und ausgesprochen zentralen Lagen jahrelang unaufgeregt. Unter anderem lag dies daran, dass wenig Fluktuation stattfand. Wer eine Immobilie z.B. im familiär geprägten Fliegerviertel rund um den Adolf-Scheidt-Platz besaß, trennte sich nicht davon. Hier fand der Generationswechsel innerhalb der Familien statt. Als die Öffentlichkeit sich für das Flugfeld Tempelhof zu interessieren begann, war es vorbei mit der Ruhe. Eines der größten innerstädtischen Sport- und Erholungsgebiete Europas vor der Haustüre, ein Häuschen mit Garten oder große, klassische Altbauwohnungen in ruhiger und zentraler Lage: das sind starke Argumente für Tempelhof. Zweimal im Jahr findet im ehemaligen Flughafengebäude eine große Modemesse statt, die einen Hauch Glamour in den beschaulichen Stadtteil bringt.

Einen Aufschwung erlebt auch das Gebiet um den Fernbahnhof Südkreuz. Die gepflegten Wohnanlagen aus der Zwischenkriegszeit sind ein Geheimtipp für Leute, die innerstädtisch, ruhig und vergleichsweise günstig wohnen und darüber hinaus eine exzellente Verkehrsanbindung haben wollen.

60,53
%
Anteil der Bevölkerung zwischen 18 und 65
31,43
%
Internationalität (2016)
196.632
Einwohnerzahl (2016)
39,75
Wohnfläche je Einwohner
7,52
%
Arbeitslosenquote (06/16)
+3.473
Wanderungssaldo (2016)

Immobilienmarkt in Tempelhof

Tempelhof profitiert von einer sehr guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, von der direkten Nähe zu Kreuzberg und Schöneberg, von sehr schönen Wohnlagen sowie von einem bürgerlichen Umfeld. Mit nur knapp 700 Objekten war das Wohnungsangebot 2016 in Tempelhof sehr überschaubar. Zum einen scheint dies damit zusammenzuhängen, dass der Eigentumsanteil in Tempelhof höher als im Berliner Durchschnitt ist. Fast 25 Prozent der Wohnungen in Tempelhof und den angeschlossenen Ortsteilen Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade werden von den Eigentümern bewohnt. Zum anderen warten die Eigentümer auf Nachholeffekte bei der Preisentwicklung. 2017 könnte hier zu einem entscheidenden Jahr werden.

Evolutionsstufe des Wohnungsmarktes in Tempelhof

Abbildung oben: Die Evolutionsstufe des Wohnungsmarktes in Tempelhof. Das Chart zeigt die Veränderungen im Preisgefüge des Bezirkes anhand von drei Preissegmenten. Wieviele Wohnungen wurden in den unterschiedlichen Preissegmenten angeboten? Die Linie zeigt die Entwicklung des durchschnittlichen Angebotspreises über alle Wohnungstypen und Preissegmente für Bestandswohnungen.

Immobilienpreise in Tempelhof

Immobilien in Tempelhof boomen. Mit einem Preisanstieg von fast 21 Prozent bei Bestandswohnungen in 2016 schließt der Immobilienmarkt in Tempelhof zur Gesamtentwicklung in Berlin auf. Knapp unter 3.000 Euro wurden 2016 für einen Quadratmeter in Tempelhof am Markt nachgefragt. Insgesamt wurden über 600 Wohnungen in Tempelhof angeboten, darunter der allergrößte Teil Etagenwohnungen und nur sehr wenig Dachgeschosse und so gut wie keine Penthouse-Apartments. In Tempelhof gibt es ein sehr starkes mittleres Preissegment. Zu beobachten ist auch, dass das eigentliche Hauptsegment im unteren Preisspektrum seit 2013 rapide abnimmt. Für das obere Preissegment scheint derzeit noch wenig Nachfrage am Markt zu bestehen.

Bevölkerung Tempelhof

Seit der Schließung des Flughafen Tempelhofs im Jahr 2008 gewannen viele Gebiete der Umgebung wieder an Attraktivität. Nicht allein Besucher des ehemaligen Flugfeldes, auf dem heute nur noch Drachen, Vögel, Insekten und Blütenpollen fliegen, schätzen seine hohe Erholungs- und Freizeitfunktion.

Die Zuzugszahlen und im Ergebnis ein Wanderungsgewinn von etwa 600 neuen Einwohnern im Quartier „Neu-Tempelhof“ im Jahr 2015 verdeutlichen die Beliebtheit von besagter Tempelhofer Lage. Die Gartenstadt Neu-Tempelhof wird auch als „Fliegerviertel“ bezeichnet. Doppel- und Reihenhäuser dominieren hier neben vier- bis fünfgeschossigen Randbebauungen das Straßenbild. Im nördlichen Teil des Quartiers spielt sich das Kiezleben ab, etwa in der Manfred-von-Richthofen-Straße, in der die Bebauung vornehmlich von sanierten Altbauten charakterisiert ist. Hier kann man sich richtig wohlfühlen, mitten in der Stadt und dennoch in einem ruhigen und grünen Umfeld. Auch die Heterogenität der Bewohner aus Alteingesessenen und Zugezogenen stellt eine angenehme Mischung dar.

In Tempelhof leben Menschen mit unterschiedliche Herkunft und Kulturen zusammen. In der Bezirksregion Tempelhof weisen mehr als 50 Prozent der Einwohner unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund auf. Im Quartier „Rathaus Tempelhof“ haben 39,61 Prozent der Gesamtbewohner einen Migrationshintergrund.

Entlang des Tempelhofer Dammes, auch T-Damm genannt, können in zahlreichen türkischen oder arabischen Geschäften und im exklusiveren Kaufhaus, Besorgungen des täglichen und mittelfristigen Bedarfs erledigt werden.

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