Berlin wächst nicht zum ersten Mal

Einmal mehr befindet sich Berlin in einer Phase der Transformation. Im 18. Jahrhundert wuchs die Stadt erstmals über die Marke von 100.000 Bewohnern hinaus. Der zweite, viel größere Bevölkerungs-Schub, setzte mit Beginn der Industrialisierung und einhergehendem Wirtschaftsaufschwung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.

In der Hoffnung auf ein besseres Leben und die Verheißungen der Großstadt zogen die Menschen von überall nach Berlin, bis die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts zur Millionenstadt herangewachsen war und bis 1939 auf eine Bevölkerung von 4,32 Millionen Menschen anwuchs.

Etwa 80 Jahre später, stehen wir heute erneut vor einem Wachstumsschub und damit vor neuen Herausforderungen, aber auch Chancen. Die Attraktivität als Kultur-, Kreativ- und Medienstandort ließ Berlin in den vergangenen Jahren zu einer der „hippsten“ und beliebtesten Städte der Welt avancieren.

Der fast ruckartige Zustrom nach Berlin hat die Stadt in mancher Hinsicht überrascht, und Berlin in seiner weiteren Entwicklung zahlreiche, neue Möglichkeiten eröffnet.

Die leistungsstarke Forschungs- und Wissenschaftslandschaft mit qualifizierten Arbeitskräften bildet die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg Berlins. Häufig sind es Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland, die Berlin als attraktiven Wohn- und Arbeitsplatzstandort auswählen.

Über die Hälfte der in Berlin lebenden Menschen wurde nicht in der Hauptstadt geboren. Das ist kein Nachteil, sondern zeigt, wie stark die Anziehungskräfte und positiven Ausstrahlungseffekte Berlins sind. Die Stadt kann diese Kräfte nutzen und ausbauen. Die Zukunft Berlins liegt auch im Know-how hoch qualifizierter Arbeitskräfte, die diese Internationalität und Offenheit in der Stadt brauchen. Im Global-City-Index, der die einflussreichsten Städte der Welt bezüglich der Attraktivität für Mitarbeiter, Ideen und Kapital ermittelt, hat sich Berlin 2016 um einen Rang auf den 16. Platz vorgearbeitet. Um in den kommenden Jahren seine Position als globale Metropole weiter zu stärken, sollten Offenheit für Neues, das Verschmelzen von Alt und Neu, das Vorantreiben einer gemeinsamen Berliner Identität und die soziale Vielfalt zentrale Ziele aller Berlinerinnen und Berliner bilden.

Baby-Boom und Zuwanderungen

Berlin ist auf dem Weg zur 4-Millionen-Stadt. Das Wachstum wird nun schon im zwölften Jahr fortgeschrieben. Sowohl der Zustrom nach Berlin von Außerhalb als auch hohe Geburtenzahlen sind Gründe für die positive Bevölkerungsentwicklung seit 2005. Etwa zwei Drittel der Zugezogenen sind junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren (vgl. Amt für Statistik Berlin Brandenburg). Die Entwicklung hoher Geburtenzahlen korreliert mit dem Zuzug der jüngeren Bevölkerung, darunter viele potenzielle Mütter. Seit 2006 liegt die Zahl der Geburten über der der Sterbefälle. Mit etwa 4.660 Geburten wurden in Pankow 2016 die meisten Geburten Berlins registriert. Schlusslichter der Fertilität bilden Spandau und Reinickendorf. Das mittlere Alter der Mütter, die in Berlin 2016 ein Kind zur Welt brachten, lag bei 31,21 Jahren. In Marzahn-Hellersdorf wurde 2016 das niedrigste Durchschnittalter mit 29,7 Jahren registriert.

Pankow ist sowohl der Bezirk mit der höchsten Geburtenrate als auch der Bezirk mit den meisten Kleinkindern: Rund 18.354 Kinder zwischen 0 und 3 Jahren wurden hier 2016 registriert. Auch Mitte (15.196 Kleinkinder) und Neukölln (13.438 Kleinkinder) haben einen hohen Kleinkinderanteil. Viele Familien schätzen Berliner Kiezstrukturen mit ihren dezentralen Versorgungsangeboten. Berlin ist die Stadt der kurzen Wege. Berlin ist auch die Stadt der Vereinbarkeit. Mit einer Betreuungsquote von 45,9 Prozent (2015) liegt die Hauptstadt deutlich höher im Ranking als der Bundesdurchschnitt (32,7 %). Der Einklang von Beruf und Kind stellt für viele junge Familien einen Standortvorteil dar.

Berlin für alle Generationen

Dass Berlin für junge Menschen aus dem In- und Umland als Wohnstandort attraktiv ist, zeigt auch der Youthful-Cities-Index 2015. Dieser listet nach Kriterien der Lebensqualität für junge Menschen über 50 Städten weltweit. Berlin befindet sich auf Platz 3. Die Angebote für die junge Bevölkerung Berlins reichen von einer dynamischen Hochschullandschaft und vielfältigen Ausbildungsstätten über eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten bis zur einer bunten Party- und Eventmetropole. Ein wichtiger Standortfaktor sind auch die im internationalen Vergleich niedrigen Lebenshaltungskosten.
Folgt man Ergebnissen der Bevölkerungsprognose 2015-2030 (SenStadtUm), wird der Anteil der 18 bis 25-Jährigen bis 2030 weder signifikant ab- noch zunehmen. Auch die Zahl der erwerbsfähigen Bevölkerung (18 bis unter 65 Jährigen) wird bis 2030 nur geringfügig steigen.

Berlin ist attraktiv für Jedermann. Für Jung und Alt.

Dass sich ältere Personen in Berlin gut aufgehoben fühlen können, beweist der Access City Award. Diese Auszeichnung erhielt Berlin 2013 für seine Barrierefreiheit. Etwa 10 Prozent der Berliner sind auf Barrierefreiheit zwingend angewiesen, rund 40 Prozent benötigen diese als notwendige Unterstützung. Mit seinem gut ausgebauten und dichten ÖPNV-Netz sowie einer hohen Versorgungsdichte bietet Berlin ideale Standortfaktoren für die ältere Bevölkerung.

Abbildung oben: Die Jugendquote bildet die nicht erwerbsfähige Bevölkerung im Alter zwischen 0 und 18 Jahren in den jeweiligen Bezirken ab. Die Abgrenzung der Altersgruppe stellt keine evidente Begrenzung der Nichterwerbsbevölkerung dar, weil der Beginn einer Erwerbsfähigkeit bereits vor dem 18. Lebensjahr erfolgen kann (Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung). Die Jugendquote wird für unseren Marktreport also als Rechengröße zur Einschätzung möglicher Abhängigkeiten der jungen Bevölkerungsgruppe von der Bevölkerung im potentiell erwerbsfähigen Alter herangezogen.

Auch der Altenquote liegt die Annahme zugrunde, die nicht (mehr) erwerbsfähige Bevölkerung zu berücksichtigen und auf die erwerbsfähige Bevölkerung zu beziehen. In diese Berechnung wurden alle Einwohner der jeweiligen Bezirke über 65 Jahren integriert. Der Erwerbsquotient berücksichtigt die Altersspanne zwischen 19 und 64 Jahre.

Am höchsten ist die Erwerbsquote in Friedrichshain-Kreuzberg. Fast ein Viertel der Bevölkerung ist hier zwischen 27 und 35 Jahre alt. Der Jugendquotient ist im Bezirksvergleich gleichmäßiger verteilt als der Altenquotient und das Erwerbspotenzial. Der höchste Wert des Jugendquotienten wird in Spandau erreicht.

Kosmopolitische Metropole Berlin

Berlin ist ein multikultureller Ort. Ein Ort der Zusammenkunft und Begegnungen. Ein Ort der Vielfältigkeit und diversen Lebenswelten. In Berlin gibt es zahlreiche Multikulti-Stadtteile, in denen Menschen verschiedener Kulturen zusammenleben.
Fast dreißig Prozent der Berliner Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Seit mehr als drei Jahrzehnten fördert der Berliner Senat Integrationsprogramme für Migranten in Berlin. Eine Arbeit der Eingliederung, die hohe Anerkennung verdient. Auch Selbstorganisationen von Migrantenvereinen und Projekten, die sich überwiegend auf das Fundament des freiwilligen Engagements stützen, stellen in der Integrationsdebatte eine wichtige Komponente dar. Die Integrationsförderung in Berlin umfasst die Schwerpunkte Beratung, Bildung und Integration, berufliche Orientierung und selbstständige Erwerbstätigkeit sowie politische Partizipation.

Historischer Rückblick auf die Einwanderungsstadt

Berlins Geschichte als Einwanderungsstadt beginnt im 17. Jahrhundert: Damals war die rasante Entwicklung der Residenzstadt mit dem Ansiedlungsprivileg für jüdische Familien eng verbunden. Auch das Bevölkerungswachstum in der Hochphase der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ist auf Zuwanderungen von Arbeitskräften aus dem damaligen preußischen Teil Polens zurückzuführen. Ferner suchten zu Beginn der 1920er Jahre etwa 300.000 russische Flüchtlinge, die im Zuge der kommunistischen Revolution und des Bürgerkrieges im ehemaligen Russischen Zarenreich flohen, in Berlin Schutz.

Wer die Migrationsgeschichte von Deutschland und Berlin liest, schlägt auch ein äußerst dunkles Kapitel auf. Das Kapitel der Nazi-Zeit und Judenverfolgung. Am 30. Januar 1933, dem Tag, an dem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, lebten rund 170.000 Juden in Berlin. Die Erbarmlosigkeit und Grausamkeit der Nazis überlebten in Berlin nur 6.500 Berliner Juden. Heute erinnern rund 40 Berliner Gedenkstätten an das furchtbare Schicksal der Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Zwischen 1945 und 1989 bestanden in Berlin unterschiedliche Migration- und Integrationsdiskurse, abhängig von politischer Richtung und wirtschaftlicher Entwicklung in der geteilten Stadt. Die Regierung in Ostberlin kontrollierte Zuwanderungen und Aufenthalte von Ausländern. So wurden seit 1967 nur aus befreundeten sozialistischen Ländern ausländische Arbeitskräfte, welche meist isoliert von der deutschen Bevölkerung lebten, für die Industrie Ostberlins rekrutiert. In Westberlin wurde in einem bedeutend größerem Umfang auf den Arbeitskräftemangel nach dem Bau der Mauer 1961 mit der Anwerbung von „Gastarbeitern“ reagiert. Mitte der 1960er Jahre erfolgte bis zur Ölkrise 1973 (und dem Ende dieser Migrationswelle) eine gezielte Anwerbung von meist unqualifizierten Industriearbeitern aus südeuropäischen Ländern und der Türkei. Die Arbeitsmigration und der daraus resultierende Familiennachzug transformierten die Westberliner Innenstadtbezirke. „Gastarbeiter“ suchten sich günstigen Wohnraum, der während der 1960er und 1970er Jahre besonders in den Bezirken Wedding, Neukölln und Kreuzberg zur Verfügung stand. Es entstanden Einwanderermilieus mit multikulturellen Infrastrukturen, deren Diversität heute von vielen Neu-Berlinern und Berlinern geschätzt wird.

Sozialräumliche Konzentration

Die Strukturen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund sind in Berlin durch eine ungleiche Verteilung auf Bezirke, Ortsteile und Quartiere geprägt. Dies ist auf die historisch divergenten Entwicklungen der vor der Wende zurückzuführen. Noch heute ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im ehemaligen Westberlin rund dreimal höher als im Osten Berlins. Der höchste Anteil von Migranten wird in Mitte registriert. 2015 hatte hier fast die Hälfte der Bewohner einen Migrationshintergrund. Die meisten von ihnen sind Migranten aus der Türkei (22,03 Prozent). Auch auf Berlinebene stellt die größte Gruppe der Einwohner mit türkischem Migrationshintergrund den größten Anteil der Berliner Migranten dar (172.670). Die zweitgrößte Gruppe umfasst Einwohner mit dem Herkunftsland Polen (102.300); die drittgrößte Gruppe bilden Einwohner aus der ehemaligen Sowjetunion (108.200).
Sozialräumliche Muster sind sowohl hinsichtlich des Anteils von Migranten an der Gesamtbevölkerung der Bezirke und Quartiere als auch bezüglich der Herkunft erkennbar. So leben in Steglitz-Zehlendorf die meisten Amerikaner. Zehlendorf war bis 1994 Standort des US-Hauptquartiers, sodass die Mehrheit der amerikanischen Soldaten hier stationiert war und noch heute die Verbundenheit zu Zehlendorf am größten ist. Die meisten Einwohner mit polnischem Migrationshintergrund leben in Neukölln, die meisten Italiener, Spanier und Franzosen suchen sich Friedrichshain-Kreuzberg als Wohnstandort aus.

Wandel der Lebensstile

Berlin, die Stadt der Singles. Mehr als die Hälfte aller Berliner Haushalte besteht nur aus einer Person. Von den Berliner Einpersonenhaushalten sind etwa 41 Prozent über 65 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Wert in den kommenden Jahren aufgrund der steigenden Lebenserwartung weiter erhöhen wird. Dies wird sich sowohl auf die Sozialsysteme als auch auf den Wohnungsmarkt auswirken. Die meisten Einpersonenhaushalte Berlins sind 2016 im Neuköllner Reuterkiez zu finden: Rund 69 % der Gesamthaushalte leben hier alleine.

Berlin ist nicht nur die Stadt der Singles, sondern auch die Stadt der Alleinerziehenden. Mit der Individualisierung und „Multigrafie“ bricht das Bild des klassischen Familienmodells. Die Zahl der Scheidungen ist konstant hoch: 6.427 Ehetrennungen wurden im Jahr 2015 registriert. Etwa ein Drittel der Kinder unter 18 Jahren leben in einem alleinerziehenden Haushalt. Die höchste absolute Zahl der Alleinerziehenden Eltern ist im Kiez des Pankower Zentrums registriert (2015).

Unterschiedliche Wohntypen

Für die Immobilienwirtschaft bedeutet der gesellschaftliche Wandel, der von einer Transformation der Lebensstile, Werte und Interessen geprägt ist, eine Berücksichtigung spezifischer Wohnstandortkriterien. Je nach Haushaltstyp, Alter und sozialem Milieu werden unterschiedliche Wohnformen und Teilmärkte nachgefragt. Vereinfacht würde das bedeuten, dass Singles in der Regel stärker die Nähe ihres Wohnstandortes zu Freizeit- und Kulturangeboten nachfragen als Familien, die häufiger das Wohnen im Grünen (z.B. am Stadtrand oder Umland) präferieren. Für junge Familien ist auch die Nähe zur Kinderbetreuung ein zentraler Standortfaktor. Differenziert man die Wohnmobilität eines Haushaltes nach Lebensphasen, sind auch hier neue Muster zu erkennen.

Haushalte im Alter von 50- bis 65-Jahren, von denen bisher angenommen wurde, dass ihr Nachfrageverhalten nach neuem Wohnraum gering ist, erachten zunehmend die Innere Stadt als attraktiven Wohnstandort. Auf Berlin bezogen sind häufig Muster der Reurbanisierung erkennbar: Der Haushalt verkleinert sich, die Kinder sind aus dem Haus, sodass der Wohnraum im Berliner Umland zu groß erscheint und der Wunsch nach Zentralität und einer innerstädtischen Wohnung entsteht. Wir können diesen Prozess in der Praxis auch mit einem weiteren Radius beobachten. Viele Interessenten und Käufer in der besagten Altersklasse zieht es aus den alten und neuen Bundesländern (zurück) nach Berlin.

Individualisierung, Downaging, Silver Society, Gender Shift, New Work und Neo-Ökologie … Diese und weitere Megatrends bestimmen unsere Gesellschaft, unsere gebauten Räume und unsere Wohnansprüche.

Auf Anfrage erstellen wir auf Mikrolagen-Ebene einen individuellen Wohntrend-Report für Sie.

Stadt des Wissens und Forschung

Forscher, berufsorientierte Studiengänge, hervorragende Universitäten, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorte. Berlins Zukunft liegt in der Wissensgesellschaft. Wissen, der Motor von sozio-ökonomischem Fortschritt, globaler Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Innovation. In Berlin sind über die Hälfte der Erwerbstätigen hochqualifiziert. Das ist der größte Anteil von hochqualifizierten Erwerbstätigen deutschlandweit. Der Lebensstil des kreativen, intellektuellen und urbanen Milieus findet in Berlin ideale Wohn- und Arbeitsplatzbedingungen.

Berlin ist Deutschlands größte Universitätsstadt und bietet mit seiner mannigfaltigen Wissenschaftslandschaft eine hohe Dichte von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Im Wintersemester 2015/16 kletterte die Studierendenanzahl in Berlin auf ein Rekordhoch von 175.917. An insgesamt 47 staatlichen und privaten Hochschulen forschen, arbeiten und studieren über 200.000 Mitarbeiter. An den vier Unis (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität, Technische Universität und Universität der Künste) (die Charité-Universitätsmedizin ist Gliedkörperschaft der FU und HU) studieren die meisten herangehenden Akademiker in Berlin.

Studenten in Berlin

Wirtschaftlicher Aufschwung für alle?

Berlins Wirtschaft boomt. Kräftige Beschäftigungszahlen lassen die Arbeitslosenquote seit 2009 stetig sinken. Im Jahr 2016 wurde zum ersten Mal seit der Wende eine Quote unter der 10 Prozent Marke erreicht. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt fast halbiert.

Die ökonomische Entwicklung ist in den vergangenen Jahren beachtlich. Um ein Drittel ist die Berliner Wirtschaft zwischen 2005 und 2013 gewachsen. 2016 erreicht Berlin gemeinsam mit Sachsen den ersten Platz im deutschen Wirtschaftwachstums-Ranking. Um 2,7 Prozent wuchs das Bruttoinlandsprodukt 2016 in der Hauptstadt (Quelle: AfS Berlin Brandenburg 2017). Ein Wachstum, das im hohen Maß von qualifizierten Fachkräften mit mittleren bis guten Qualifikationen getragen wird. Die Arbeitslosenzahlen von Geringqualifizierten bleiben häufig hoch.

Berlin ist die Stadt der Start-up-Szene: alle 20 Stunden wird in Berlin ein neues Start-up gegründet. Im Bundesvergleich liegt Berlin an der Spitze. Berliner Jungunternehmer erhielten 2016 ein Investitionsvolumen von 1,07 Milliarden Euro.

Soziale Disparitäten - trotz Gründungsboom und Wirtschaftsaufschwung

Kinderarmut, prekäre Arbeitsverhältnisse und Segregation. Auch das gehört zu Berlins Entwicklungen. Häufig sind Kinder von Armut betroffen, die mit nur einem Elternteil zusammenleben. In Berlin ist der Anteil von Personen, die nicht von ihrem alleinigen Gehalt leben können und zusätzliche Leistungen erhalten müssen hoch. 2016 waren es 120.000 Menschen, die ihr Einkommen durch Hartz IV aufstocken mussten.

Diese Entwicklungen laufen konträr zu sinkenden Arbeitslosenzahlen und dem Wirtschaftsaufschwung. Neue Jobs entstehen jedoch vor allem im Dienstleistungssektor und der Start-up-Szene. Diese werden vornehmlich von (qualifizierten) Zuzüglern besetzt. Menschen, die seit Jahren auf Transferleistungen angewiesen sind, fällt der Wiedereinstieg besonders schwer, sodass die wenigsten von ihnen vom Berliner Wirtschaftsaufschwung profitieren.

Das verdienen die Berliner

Die meisten Berliner arbeiten im Dienstleistungssektor. Hierzu zählen auch Branchen, die unterdurchschnittlich bezahlt werden. Dies erklärt das im Bundesvergleich unterdurchschnittliche Einkommen der Berliner Bevölkerung (vgl. untere Abbildung). Kongruent zum Wirtschaftswachstum Berlins ist dieses dennoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, sodass sich die Nachfrage für das gehobene bzw. Luxussegment auch künftig erhöhen wird.

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